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Außenansicht von St. Moritz um 1900
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Abrissgenehmigung
für St. Moritz aus dem Jahr 1614
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Zusammenfassung
der Baugeschichte von St. Moritz
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Erbaung
wohl um die Mitte des 15. Jahrhunderts
1508:
Erste urkundliche Nennung von St. Moritz
16. Jh.:
Fortwährender Verfall
1600:
Die Moritzkirche wird beschrieben als "gantz Paufelliges, ödes Kirchengemeür".
Der Dachstuhl ist teilweise eingefallen, Türen und Fenster sind
nicht mehr vorhanden
1614 - 1737:
Zur Gewinnung von Baumaterial für die eingefallene Marktkirche wird
1614 das Dach der Moritzkirche abgenommen. Die Kirche ist bis 1737
eine dachlose Ruine
1665:
In der Nähe der Ruine wird der Mantler Galgen errichtet
1732:
Eine Marienfigur im Mantler Wald wird Wallfahrtsziel
1737:
Für die Marienfigur wird die Moritzkirche wieder aufgebaut
1744:
Die Arbeiten an St. Moritz sind vorläufig abgeschlossen
1752:
Ein Einsiedler errichtet gegenüber der Kirche eine Klause. Diese
besteht bis Anfang des 19. Jahrhunderts
1793:
Der Dachreiter wird aufgesetzt, der Westgiebel aufgemauert
um 1900:
Anbau Sakristei. Vergrößerung der hinteren Fenster im Langhaus (vorher
sogenannte Ochsenaugenfenster)
1960er Jahre:
"Modernisierung". Teile der Einrichtung werden entfernt (Aufgang
zur Kanzel, Seitenan-bauten des Hochaltars)
2000:
Die Kirche wird einer umfassenden Aussenrenovierung unterzogen.
Dabei kommen die Fundamente der ehemaligen Aussenpfeiler und die
vermauerten Fensteröffnungen der Vorgängerkirche zum Vorschein.
Es stellt sich heraus, dass diese Kirche noch auf einer Höhe von
etwa vier Metern im heutigen Bauwerk steckt. |
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Allgemeines
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| Im
Jahre 2008 jährte sich die Erstnennung der "Moritzkirche" zum fünfhundertsten
Mal. Das Bauwerk selbst ist mit Sicherheit mindestens noch einige
Jahrzehnte älter. Die Erbauung dürfte etwa in die Mitte des 15.
Jahrhunderts fallen. Die erste urkundliche Nennung läßt sich aber
"erst" für das Jahr 1508 nachweisen. In diesem Jahr wurde im Bistum
Regensburg eine Visitation aller Kirchen gefertigt. Dabei wurde
auch die nahe bei Mantel liegende Kapelle des heiligen Moritz genannt.
Das Gebäude präsentiert sich heute Aussen und Innen vor Allem als
Bau des 18. Jahrhunderts. Das Mauerwerk bis etwa zur Höhe der heutigen
Fenster stammt jedoch noch vom wohl spätgotischen Vorgängerbau.
Dieser verkam im 16. und frühen 17. Jahrhundert zur Ruine und wurde
erst ab 1737 wieder aufgebaut. St. Moritz war bis etwa zum 1. Weltkrieg
eine beliebte Wallfahrtskirche. Nachfolgend die Geschichte die-ses
altehrwürdigen Bauwerks: |
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Untergang
und Wiederaufbau von St. Moritz
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Zwar
wird St. Moritz 1508 urkundlich genannt, richtig aussagekräftige
Akten setzen jedoch erst Ende des 16. Jahrhunderts ein. Zu diesem
Zeitpunkt galt die Kirche als baufällig. Die Ursache dafür könnte
in der Glaubensrichtung des Calvinismus liegen, die damals bei uns
vorherrschte. Diese duldete weder bildliche Heiligendarstellungen
noch Kapellen neben der eigentlichen Hauptkirche. Als man Baumate-rial
für die Restaurierung der Marktkirche benötigte, dachte man daran,
dieses von der Moritzkirche zu entnehmen. So schrieb ein Baumeister
im Jahr 1600, dass "ausserhalb des Marckhts Manttl, ein altes unbetachtes
(unbedachtes = ohne Dach) gantz Paufelliges, ödes Kirchengemeür,
... das könndte un-maßgebendt abgetragen, unnd zu disem Kirchenbau
(der Marktkirche) nutzbarlich angewendet werdn, denn sonsten dazu
Steinwerckh mit grossem uncosten, uff zwo meil wegs weit geholt
und zuegeführt werden müste...". In einem Brief vom 29. März 1600
heißt es über die Moritzkirche: "...Ungefahrlich (=ungefähr) ein
Püchsenschuß vom Dorff, stehet ein alte Capeln darauf das Dachwerg
(=Dachstuhl) alles eingefault und sein weder thür noch fenster mehr
dran, auch die Pfeiler zum theil eingefallen, davon kann man die
Stück und Steine zu außbesserung des Thurns (=Turm) nehmen...".
Den Todesstoss verlieh der Moritzkirche das Jahr 1614, als zur Gewinnung
von Baumaterial für die zusammengebrochene Marktkirche das Dach
abgedeckt wurde.
Von 1614 bis 1737, also über 120 Jahre lang, blieb St. Moritz dann
eine dachlose Ruine.
Der Wiederaufbau von St. Moritz ist im Prinzip einer alten Frau
zu verdanken, die im Jahr 1732 im Manteler Wald in ärmlichen Verhältnissen
in einer Hütte lebte. Diese Frau namens Magdalena Plödl stellte
in ihrem Häuschen eine geschnitzte Muttergottes-Figur auf, die sie
angeblich in Hirschau geschenkt bekommen hatte. Als an der Stelle,
an der die Figur stand, eine Quelle entsprang und sich dieser Umstand
in der Gegend verbreitete, entwickelte sich rasch eine Wallfahrt
aus den umliegenden Orten. Für die Figur wurde sogar eine kleine
Holzkapelle errichtet. Nachfolgend ein kurzer Auszug aus einem Brief
der katholischen Pfarrgemeinde an den Herzog zu Sulzbach (1732):
"... haben wür samentliche Catholische Pfarrkinder, und Unterthanen
zu Mantl ganz unterthänigist hiemit vortra-gen sollen, wasmassen
ohngefehr eine halbe Stundt von hier gegen Hütten zu, eine arme
Wittib namens Maria Magdalena Plödlin in dem Holz, in einem alda
aufgebauten Häuslein wohnent Ein geschnitztes Mutter Gottes Bild
zu Hirschau geschenckter bekommen hat; Indeme nun besagte Wittib
bey ihrer Wohnung kein Wasser hatte, sezte sie ihr Vertrauen zu
der seeligisten MutterGottes, und verrichtete vor dieser Bildnus
ihr Gebett wo aldan unter disser Bildnus etliche Tropffen wasser
hervor geflossen. Worauf sie an Eben selbigen Orth einen Brunnen
unt d(as) helligste Wasser darinnen bekommen. Da nun solches kundtbahr
worden, haben ande(re) sowohl he-rumb als weithentlegene mehr ihro
Vertrauen zu disser MutterGottes Bildnus genohmen; Also d(as) nunmehro
wegen der in allerhandt Kranckheiten und Zuefällen beräits schon
alda erhaltenen Beneficien kaum ein Tag ver-gehet wo nicht einige
Persohnen dahin Kürchfahrten kommen, und obschon solche Bildnus
nur in einer schlech-ten Capell, oder Verschlag aufbehalten wird
..."
Das Bischöfliche Consistorium kämpfte gegen solche neuen unkontrollierten
Wallfahrten. Der Streit hierüber zog sich bis 1737 hin. Dann wurde
beschlossen, dass man die Ruine der Kirche St. Moritz in Mantel
für diese Figur (heute links des Hochaltars) wieder aufbauen will.
Die Mauern waren damals noch 18 Fuß hoch (über 5 Meter). Auch der
damalige Landrichter bestätigte, dass die Ruine von St. Moritz noch
stehe und die Mauer ringsherum in ziemlicher Höhe mit besten Steinen
ausgeführt wäre. Die Holzkapelle im Wald wurde abgebrochen, die
Figur nach Mantel geholt. Trotz der vielen Spenden-gelder der Wallfahrer
war aber nur an einen bescheidenen Aufbau (ohne Turm) zu denken.
Der Westgiebel war bis 1793 nur mit Brettern verschlagen, so dass
im Lauf der Zeit Nässe ins Gebäude eindrang und die Weißdecke beschädigte.
Im Zuge einer Renovierung im Jahre 1793 wurde der Giebel aufgemauert
und ein Dachreiter aufgesetzt. Der Vorschlag, einen Friedhof um
die Moritzkirche anzulegen, da der innere (um die Marktkirche) bereits
so angefüllt sei, dass man die unverwesten Körper ausgraben müsse,
kam jedoch nicht zur Ausführung. |
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Inneneinrichtung
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Hochaltar
und Seitenaltäre entstanden nach 1760. Das Bild des linken Seitenaltars
(St. Sebastian) trägt die Signatur des Malers Rabusky aus Neustadt.
Das Bild des rechten Seitenaltars (St. Wendelin) trägt links unten
das Wappen der Manteler Stifterfamilie von Forster. In den 60-er
Jahren des 20. Jh. wurden die seitlichen Anbauten des Hochaltars
entfernt.
Die Marienfigur, zu der ehemals die Wallfahrt führte (links des
Hochaltars), dürfte aus dem 17. Jh. stammen. 1732 erklärte Magdalena
Plödl, dass sie die Figur in Hirschau geschenkt bekommen hatte.
Im Jahr 1828 stellte Papst Leo XII. einen Ablaßbrief für die Kirche
aus. Das Original ist zwar leider verschwunden. Seit einigen Jahren
befindet sich jedoch neben dem rechten Seitenaltar eine Abschrift.
Auch der Kreuzweg stammt aus dem 18. Jahrhundert. Bemerkenswert
ist die Kanzel. Um 1800 herum bestand schon lange der Wunsch, eine
Kanzel anzuschaffen. Die Gelegenheit ergab sich aber erst durch
die Säkularisation. Im Jahre 1802 wurde das Franziskanerkloster
in Pfreimd aufgelöst und die ganze Einrichtung versteigert. Der
Neunkirchner Pfarrer von Thoma ergriff diese Gelegenheit und erwarb
eine der Glocken für die Simultankirche Peter und Paul und die Kanzel
für die Kirche St. Moritz. Der Preis für die Kanzel betrug ganze
28 Gulden, was anscheinend auch damals fast geschenkt war. So kam
die Moritzkirche also zu diesem edlen Stück. In den 60er Jahren
des 20. Jahrhunderts wurde leider der Aufgang zur Kanzel beseitigt.
Seit 2005 befinden sich an der inneren linken Langhausseite zwei
Figuren auf einem Sockel. Diese wurden im Zwischenboden zum Dachboden
gefunden und waren in einem bedauernswerten Zustand. Gemeinsam von
der Pfarrgemeinde und dem Verein zur Förderung und Erhaltung der
St.-Moritz-Kirche e.V. wurden die Figuren durch eine Restauratorin
wieder äußerst fachgerecht hergestellt. Die beiden holzgeschnitzten
Figuren dürften aus der Zeit um 1700 stammen. Die heiligen Damen
tragen die Gewänder von Klosterfrauen. Die linke der Figuren ist
aufgrund ihrer Dornenkrone auf dem Haupt als die heilige Katharina
von Siena zu identifizieren.
Das Aussehen und die Entwicklung von St. Moritz blieben niemals
stehen. Jede Generation veränderte die Kirche nach dem ihrem Geschmack.
Auf Farbbildern um 1950 sind die vier großen Figuren auf dem Hochaltar
noch in weiß und gold gehalten. In den 60er Jahren wurde die seitlichen
Bögen am Hochaltar ganz entfernt. Die beiden großen Figuren die
darauf standen kamen an die Langhauswände. Alle vier Figuren bekamen
jetzt eine farbige Fassung. Gleichzeitig wurde die Treppe zur Kanzel
ent-fernt, so dass sie heute ähnlich einem Schwalbennest etwas bezuglos
in der Luft schwebt.
Die Wallfahrt, die einst in Mantel ein wichtiger Wirtschaftsfaktor
war kam wohl schon vor dem 1. Weltkrieg gänzlich zum Erliegen. 1935
wurde die Kirche unter Pfarrer Schächtl Aussen und Innen renoviert.
Schächtl versuchte damals die Wallfahrt wieder zu beleben. Ein Vorhaben,
dass wohl vor allem deshalb scheiterte, da sich Pfarrer Schächtl
auf mutige Art und Weise mit den Machthabern des dritten Reiches
anlegte. Dies musste er 1937 mit einem Jahr im Gefängnis büßen.
Der wichtige Ablaßbrief, der 1828 von Papst Leo XII. ausgestellt
wurde und am Hochaltar hing galt lange Zeit als verschwunden. Erst
in jüngster Zeit tauchte das Original unter anderen, eher wertlosen
Bildern in einem der Sakristeischränke wieder auf. |
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Klause
und Einsiedler bei St.-Moritz
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Die
St.-Moritz-Kirche stand bis weit ins 19. Jahrhundert frei von jeder
umgebenden Bebauung zwischen Wiesen und Feldern. Nur westlich der
Kirche befand sich seit dem 18. Jahrhundert ein kleines Wohnhaus.
Das heutige Gebäude steht seit Anfang des 20. Jahrhunderts.
Der ursprüngliche Bau an dieser Stelle war eine Klause, die von
einem Einsiedler bewohnt wurde. Im Jahre 1752 erbaute sich hier
der ehemalige Soldat Johann Michael Beyer eine Einsiedelei. Dieser
wurde allgemein Frater Fidelis genannt. Nachdem er 1762 gestorben
war, siedelte sich hier der Einsiedler Paul Gruewinckler aus Floß
an. Nach dessen Tod wiederum folgte ein Frater namens Peter Hofmann.
Durch eine "Landesherrliche Verordnung" im Jahre 1804 wurden in
Bayern die Eremiten abgeschafft. Das Gebäude ging dann in Privathand
über. |
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